Bleiglas

Bleiglas
Schachfiguren aus Bleiglas © pnijhuis - stock xchng

Bleiglas oder auch Bleikristallglas ist eine veredelte Form des traditionellen Glases. Es entsteht, indem zur flüssigen Glasmasse Bleioxid hinzugegeben wird. Dadurch erhält das Glas eine besondere Klarheit und Transparenz. Weiterhin überzeugt Bleiglas durch seine hervorragenden Lichtbrechungseigenschaften.

Der eigentliche Anteil an Bleioxid beträgt generell zwischen 18% und 33%. Das sogenannte „echte Bleiglas“ besitzt mindestens 24% und wird nach dem Schliff als Bleikristall bezeichnet. Glas mit einem geringen Bleioxidgehalt wird „Halb-Bleikristall“ genannt.

Die Ursprünge von Bleiglas

Die erste urkundliche Erwähnung von Bleiglas lässt sich auf das Jahr 1675 zurückführen. Der Engländer George Ravenscroft mischte als erster Glaser Bleioxid in das Rohglas und stellte daraus Schüsseln und Trinkgefäße her. Einige Werke von Ravenscroft werden noch heute als Exponate in bedeutenden englischen Museen ausgestellt. Weiterhin entwickelte er das Flintglas, welches durch seine hohe Brechzahl noch heute in optischen Geräten, wie Teleskopen oder Kameraobjektiven, eingesetzt wird.

Auf dem europäischen Festland wurde Bleiglas erst ca. 100 Jahre später hergestellt. 1781 produzierten die „Verreries royales de St. Louis“ Bleiglas in ihrer Fabrik nahe Strasbourg. Durch seine Klarheit war es besonders gut für exklusive Kunstschliffe geeignet, so dass es vornehmlich in den europäischen Adelshäusern verwendet wurde. Bleiglas wurde zum Sinnbild für Luxus.

Auch andere Regionen verstanden sich auf die Produktion von Bleikristall. Am bekanntesten waren das böhmische, das pfälzer sowie das bayrische Glas.

Verarbeitung von Bleiglas

Bleikristall ist durch den Bleioxidanteil ein sehr weiches Glas. Dadurch kann es einfach geschliffen werden, ohne das die Gefahr besteht, dass die Struktur reißt. Individuelle Kundenwünsche werden durch Handarbeit erfüllt. Zur Herstellung von farbigem Bleiglas existieren 2 Methoden.

Die kostengünstigere Variante ist das Bemalen des Glases mit einer speziellen Farbe, die anschließend in das Glas eingebrannt wird (siehe auch Glasmalerei).

Die Alternative ist die „Überfangmethode“, in der das farblose Kristallglas in eine Schale aus koloriertem Glas gegossen und anschließend geformt wird. Durch das Abschleifen der Außenhülle entstehen einzigartige Glasstrukturen. Überfanggläser werden in Handarbeit angefertigt und sind entsprechen teuer.

Bleiglas wird häufig zur Herstellung von Schmuck, Kronleuchtern, Kuchenplatten und hochwertige Gebrauchsgegenstände verwendet. Zwar werden auch Weingläser aus diesem Glas produziert, diese werden jedoch unter Weinkennern ungern genutzt, da sie die Farbe des Getränks verzerren.

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