Glas – Eine zeitgeschichtliche Reise II

Glas im Mittelalter

Die ersten Glashütten entstanden etwa im 10. Jhd. im Böhmischen, Thüringer und Bayrischen Wald. Diese Gebiete eigneten sich besonders, da das Holz für die Beheizung der Öfen benötigt wurde, und durch die Glaser selber gefällt wurde. Sobald sich der Nachschubweg verlängerte, wurde der Standort verlegt. Daher stammte auch der Begriff „Waldglas“.

Zum Schutz der Wälder wurde die Verwendung von Holz mit der Zeit verboten. Die Handwerker waren zukünftig zur Herstellung von Glas auf Kohle angewiesen, was eine bautechnische Veränderung der Öfen zur Folge hatte.

Im Gegenzug zu den mesopotamischen oder ägyptischen Rezepturen wurde auf einheimische Rohstoffe bei der Herstellung von Glas zurückgegriffen. Kaliumkarbonat wurde beispielsweise aus Buchenholz- oder Eichenholzasche erzeugt, welches in einem Verbrennungstopf (Pott) eingedampft und ausgelaugt wurde. Daher stammte der Begriff Pottasche.

Als Anfang des 12. Jhd. das Zeitalter der Gotik begann, hielt auch das Fensterglas Einzug in Europa. Dabei kam das in der Region um das französische Rouen einer besonderen Bedeutung zu, da hier die ersten Butzenscheiben mit einem Durchmesser von 10 bis 15 cm hergestellt wurden.

Glas in Venedig

Im 15. bis 17. Jhd. galt Venedig als Hochburg der Glasherstellung. Venezianisches Glas wurde in Form von Glasperlen als Tausch- und Zahlmittel benutzt. Das Glas zeichnete sich durch seinen Glanz und absolute Farblosigkeit aus, da es sich um Kristallglas handelte.

Dem aktuellen Forschungsstand zufolge wurden bei der Herstellung vornehmlich Bergkristall und Mamor verwendet.

Um eine Verbreitung der Rezeptur zu vermeiden, wurde die Todesstrafe angedroht und nicht selten vollstreckt. Glasmacher erlangten dadurch einen angesehenen Ruf, so dass einige in den Adelsstand erhoben wurden. Um die Einnahmequelle nicht versiegen zu lassen, wurden die Glaser im Jahr 1291, unter dem Vorwand des Brandschutzes, auf die nahegelegene Insel Murano verbracht. Muranesen erlangten dadurch zu einem hohen Ansehen, durften allerdings die Insel nicht verlassen. Zu Hochzeiten arbeiteten bis zu 8.000 Menschen in den Glashütten.

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