Glas – Eine zeitgeschichtliche Reise III

Glas in der Neuzeit

Im 18.Jhd. übernahmen nürnberger, brandenburger und sächsisches Glas die Vorherrschaft ein Europa, da es nicht so dünnwandig war wie das venezianische Glas. Dadurch konnte es besser geschnitten und geschliffen werden.

Glasschnitte dienten in erster Linie dazu, unterschiedliche Szenen darzustellen. Landschaften, Figuren, Blumen, Jagd- und Schlachtszenen oder Personen wurden für Fenster und Wandreliefs zugeschnitten. Zu den bekanntesten Glasschneidern gehörten im 18. Jhd. Friedrich Winter, Gottfried Spiller, Johann Christoph Kießling oder David Wolff. Sie signierten ihre Werke, so dass diese später gut zugeordnet werden konnte

Charakteristisch für den barocken Glasschliff sind Vergoldungen, die Schwarzlotmalerei und Zwischengoldgläser. In ländlichen Gegenden setzte sich bei Gebrauchsgläsern die Emailmalerei durch.

In England setzte sich zum Ende des 18. Jhd. da Bleikristall durch, welche durch spezielle Schleiftechniken veredelt wurde. Um sich nicht vom englischen Glas den Rang ablaufen zu lassen, entwickelten böhmische Glaser durch Steigerung der Reinheit ein besonderes Kristallglas, welches um 1830 als Biedermeierstil seinen Höhepunkt fand.

Um 1900 hielten orientalische und asiatische Einflüsse Einzug in den deutschsprachigen Raum. Dieser Stil wude später als „art nouveau“ oder „Jugendstil“ bezeichnet. Gläser aus dieser Zeit bestachen durch Blumenmuster, geschwungene Linien und fehlende Symetrie.

Zu Beginn des ersten Weltkrieges nahm der Jugendstil sein Ende.

Automatisierung der Glasherstellung

1688 wurde zum ersten Mal in Saint Gobain das Walzglasverfahren eingeführt. Dabei wurde flüssiges Glas auf einen Walztisch gegossen und gewalzt. Dadurch konnte eine gleichmäßige Dicke erreicht werden. Ein weiterer Vorteil war, dass erstmals Scheibengrößen von 40 bis 60 Zoll produziert werden konnten.

1908 entwickelte der Amerikaner John H. Lubbers die Zylinderfertigung. Dadurch konnte ein Glas mit 80 cm Durchmesser und 8 m Höhe erreicht werden. Darauf aufbauend wurde 1917 das Libbeys-Owens-Verfahren patentiert, welches die umständliche Kühlung deutlich vereinfachte und die Produktionsgeschwindigkeit verdoppelte.

Die technischen Probleme bei Herstellung von Floatglas wurden 1959 durch die Firma Pilkington gelöst und ab 1970 als allgemeiner Standard eingeführt. Seitdem standen besonders die Funktionalität und Flexibilität des Glases im Vordergrund der Forschung.

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